Historie

Historie

Als Hugo Wältermann sen., seines Zeichens Kürschnermeister und Mützenmacher, am 1. Oktober des Jahres 1895 an der Hindenburgstraße 352 in Wanne (heute Hauptstraße 352) einen Kürschnerbetrieb eröffnete, konnte er nicht wissen, daß sich dieser Betrieb über mehrere Generationen am Markt behaupten und einst seine Enkel am Ort der Gründung 1995 das 100jährige Bestehen feiern würden.

Damals
Damals

Ob es das väterliche Vorbild war oder äußere Umstände eine entscheidende Rolle spielten weiß heute niemand mehr zu sagen, jedenfalls traten sieben der zehn Kinder in die Fußstapfen des Vaters und erlernten ebenfalls den Beruf des Kürschners. Wiederum vier von ihnen und zwar die Söhne Hugo und Rudolf sowie die Töchter Luise und Berta wagten im Laufe der Jahre den Schritt in die Selbständigkeit.

Während Hugo Wältermann jun. sich mit nicht mehr als 100 Kaninchenfellen (wie er später im Kreis der Familie immer wieder stolz erzählte) in Wanne-Mitte selbständig machte, und seine Schwester Luise das Geschäft des Vaters übernahm, zog es Berta Wältermann nach Marl-Hüls und Rudolf Wältermann zunächst nach Gladbeck.

1971 übernahm Rudolf das väterliche Geschäft an der Hauptstraße 352 in Wanne-Eickel und später auch das seiner Schwester Berta in Marl-Hüls.

Inzwischen ist mit den Söhnen Rudolf Wältermann die dritte Generation herangewachsen. Die Brüder Rudolf jun., Klaus und Werner, ebenfalls alle Kürschnermeister, übernahmen 1988 von ihrem Vater die Geschäfte in Gladbeck, Wanne-Eickel und Marl-Hüls, die sie bis dahin schon als Geschäftsführer geleitet hatten.

Aus den Erzählungen seines Vaters weiß Klaus Wältermann zu berichten, daß nach 1945 zunächst überwiegend Besätze und Innenfutter sowie Galanteriewaren wie Capes, Stolen und Muffs gefertigt wurden. In den 50er und 60er Jahren entwickelte sich der Pelz dann zunehmend zu einem Statussymbol.

Doch bereits Mitte der 60er Jahre wurden die Pelze, durch weiterentwickelte Veredlungs- und Verarbeitungsmethoden sowie durch die individuelle Zusammenstellung der Felle modischer und leichter.
Sie entwickelten sich vom Statussymbol weg zu einem natürlichen und praktischen Bekleidungsstück für jede Gelegenheit. Vorherrschend waren Persianer, Bisam, Rotfuchs, der klassisch zeitlose Nerz und das Lamm.

Natürlich hat sich in den letzten 100 Jahren das Handwerk des Kürschners erheblich gewandelt. Und zwar nicht nur, was die Veredlungs- und Verarbeitungsmethoden sowie die Mode angeht, sondern auch was die Verfügbarkeit der verschiedenen Felle und Pelze betrifft.

Unser Geschäftshaus an der Hauptstraße
Unser Geschäftshaus an der Hauptstraße

Heute werden die Felle und Pelze mehr und mehr mit Leder und verschiedenen hochwertigen Stoffen wie Seide und Kaschmir kombiniert. Zunehmend beherrschen auch modische Variationen wie Wendejacken und -mäntel, Besätze und Chasubles (ärmellose Überkleider für Damen) das Bild.

In die Zukunft blickt Klaus Wältermann mit gedämpftem Optimismus. Mit leichten Pelz-Lederkombinationen, die nicht nur in erster Linie wärmen sollen (winterliche Basisgarderobe), stellt er sich den modischen Gegebenheiten. Mit einer vernünftigen und ökologisch sinnvollen Nutzung der Zinsen-Felle, die die Natur uns schenkt - ohne das Kapital anzugreifen, daß heißt, unter größtmöglicher Schonung der Arten, hat das Kürschnerhandwerk seiner Meinung nach auch weiterhin eine Zukunft.